Die Ursachen sind vielfältig, eine ganze Reihe von Einflüssen kann schließlich in der Borderline-Störung enden. Nicht alle Ursachen sind genau bekannt. Zum einen kommen genetische Faktoren ins Spiel, zum anderen müssen persönliche Erlebnisse als Auslöser hinzukommen.
Wahrscheinlich bestehen Besonderheiten der Signalübertragung in Gehirnbereichen, die für die Steuerung der Gefühle zuständig sind. Die Erregbarkeit dieser Bereiche ist höher als bei anderen Personen. Möglicherweise können die Gene für diese Störung vererbt werden.
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung entsteht aber oft erst, wenn die Betroffenen bestimmte Vorkommnisse mitmachen. Ein Psychotrauma in der Kindheit oder Jugend fördert die Entwicklung von Borderline. Psychotrauma bedeutet, dass eine schlimme Begebenheit eine starke seelische Belastung auslöst. In 65 Prozent der Fälle geben die Betroffenen mit Borderline z. B. an, sexuell missbraucht worden zu sein. Fast ebenso viele haben in ihrer Kindheit Gewalt erleiden müssen. Genauso kann aber auch eine Vernachlässigung im Kindesalter oder eine gefühlskalte Atmosphäre in der Familie eine Rolle spielen. Eltern hatten oft Probleme mit Alkohol oder Drogen oder litten selbst an einer psychischen Störung (z. B. Schizophrenie). Dennoch gibt es auch eine ganze Reihe von Betroffenen, die in guten familiären Verhältnissen aufwuchsen und kein eindeutiges Psychotrauma erleiden mussten.
In der Regel sind jüngere Erwachsene oder Jugendliche von Borderline betroffen. Eine lange Zeit hielten Fachleute die Borderline-Störung für ein Problem, das bei Frauen häufiger auftritt als bei Männern. Dies bestätigte sich auch in Studien, bei denen Borderline-Betroffene zu rund 70 Prozent weiblich waren. Doch es wird vermutet, dass es unter den Männern eine recht hohe Dunkelziffer an Borderline-Betroffenen gibt. Diese begeben sich wahrscheinlich seltener als Frauen in eine Behandlung und werden vielleicht eher durch aggressives Verhalten auffällig und eventuell straffällig.